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ausgabe 03/mai 2010

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In einem Branchen-Interview wurde er sogar noch deutlicher und hielt vielen Produktionsbossen ihre dicken Dienstwagen vor. In Zeiten, in denen Internetgiganten wie Google Fernsehrechte wahrnehmen und Streaming-Plattformen wie Hulu.com neue Vertriebskanäle eröffnen, wird die traditionelle Verwertungskette immer öfter hinterfragt. „Wo lange Jahre nur vier große Abnehmergruppen existierten, entstehen zunehmend neue potentielle Kunden“, bilanziert Houcken von Studio Hamburg. „Dies ist aus Lieferantensicht zunächst positiv zu bewerten.“ Dennoch haben sich noch kaum tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt – vor allem nicht auf Seiten der Produzenten. „Die Grenzen zwischen Verwertungsplattformen und Veranstaltern verwischen“, erkennt auch Füting von ndf. Mit allzu euphorischen Geschäftsprognosen hält er sich aber zurück. „Das Internet hat die Realität in deutschen Produktionshäusern noch nicht wesentlich verändert“, sagt er: „Allerdings gewinnt die zusätzliche Verwertungsplattform enorm an Bedeutung.“ Auch Houcken hält den Ball demonstrativ flach: „Beim Großteil der neuen digitalen Verwertungswege handelt es sich schlicht um Distributions- und Auswertungsformen, die bisherige Strukturen wie zum Beispiel den Videoverleih substituieren.“

Und damit bedingen sie noch kein neues Fernsehen: Dass die Senderfamilien, die eigenen zarten Pflänzchen jenseits des klassischen Fernsehbusiness hegen und pflegen und eifersüchtig gegen Geschäfts-Schädlinge schützen wollen, ist nahe liegend. Neben wenigen Ausnahmen – etwa das von Brainpool betriebene MySpass.de – fehlen den Produzenten die finanziellen Spielräume und entsprechendes Know-how, um Abspielplattformen für eigene Rechte erfolgreich in den Markt zu drücken.

Die eher verhaltene Einschätzung der neuen Marktchancen teilt auch RTL-Mann Graf, der beklagt, dass der Ball doch immer wieder zu den etablierten Sendern zurückgespielt würde. Bislang investiere „kein einziger dieser Online Auswerter nennenswert in die Inhalte-Branche“. Eine klare Breitseite gegen Google und Co., die ohne eigene Kreativleistung ins Fernseh-Territorium drängen. Houcken bleibt skeptisch, ob sich in der digitalen Welt mit ihren eher schlanken Produktions- und Vertriebswegen kurzfristig neue Geschäftschancen eröffnen. „Kreative Herausforderungen sind immer spannend“, betont er. „Der Spaß ist aber dann am größten, wenn die Arbeit auch von Erfolg gekrönt ist.“ —*

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