TITEL: My Name is Michael
GENRE: Castingshow
SENDER: RTL4, Niederlande
Thronfolger
Wollen Sie das wirklich? Wollen Sie, dass jedes Jahr ein mittelgutes Michael-Jackson-Double durch deutsche Mehrzweckhallen tourt und in sämtlichen Boulevardformaten erzählt, wie toll es war, als ihm Sonya Kraus, Michael Bublé und Menderes Bagci als Jury im Finale bestätigten: Du bist der nächste Michael Jackson! Nicht? Dann drücken Sie ganz fest die Daumen, dass es die niederländische Castingshow „My Name is Michael“ niemals zu uns schafft. Es reicht doch, wenn eine ganze Generation weiblicher Teenager in Tränen ausbricht, weil sie irgendeinen Live-Walk vermasselt hat und deshalb nicht mehr „Germany’s Next Topmodel“ werden kann. Da brauchen wir keine jungen Leute mehr, die einem Popstar nacheifern, der schon zu Lebzeiten Jahr für Jahr mehr nach Gespenst aussah. Außerdem ließe sich vermeiden, dass das Fernsehen Eltern dazu ermutigt, ihren siebenjährigen Nachwuchs Tänze aufführen zu lassen, bei denen der sich in den Schritt fassen muss.
TITEL: The Day the Immigrants Left
GENRE: Doku-Experiment
SENDER: BBC One, Großbritannien
Du nix verstehen
„Britische Jobs für britische Arbeiter!“ So lautete die Forderung der Einwohner des englischen Örtchens Wisbech, wo nach der EU-Osterweiterung zahlreiche Migranten einen Job fanden. Die Betroffenen glauben, dass das der Grund für die hohe Arbeitslosigkeit unter Ortsansässigen ist – bis sie sich auf ein Experiment der BBC einlassen und für zwei Tage die Arbeit der Migranten übernehmen: auf dem Spargelfeld, in der Kartoffelfabrik, auf dem Bau. Mit großer Zurückhaltung lässt Reporter Evan Davis seine Protagonisten erst ihre gesammelten Vorurteile referieren – und zeigt nachher, wie einer nach dem anderen kneift, wenn es darum geht, wirklich anzupacken. Dabei geht es in „The Day the Immigrants Left“ gar nicht ums Bloßstellen – sondern darum, dass der latente Rassismus mancher Briten bloß Ausrede für die eigene Bequemlichkeit ist. Nebenbei erfährt man als Zuschauer allerlei Wissenswertes übers Reizthema Einwanderung. Würde ARD und ZDF sowas nur auch gelingen, und zwar ganz ohne den vorwurfsvoll-mahnenden Ton, der in deutschen Politmagazinen sonst üblich ist: es wäre ein Gewinn! — *