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Die „Kostenlos-Kultur“ ist sehr viel älter als das Internet. Filme,
Fernsehsendungen und Musik werden seit Jahrzehnten kostenlos über den
Äther gejagt. Straßenmusikanten, die ihre Musik spielen und danach um einen
freiwilligen Obolus bitten, gibt es wahrscheinlich schon länger als Straßen.
Selbst die Beatles konnte man kostenlos und live als Pausenfüller sehen und
hören, wenn man in den frühen sechziger Jahren zufällig in einem Stripclub
auf der Hamburger Reeperbahn war.
Diejenigen, die jetzt lauthals über die angebliche „Kostenlos-Kultur” klagen,
wissen natürlich ganz genau, dass „kostenlos” keinesfalls ein Internet-
Phänomen ist, sondern ein bewährtes, Umsatz steigerndes
Marketinginstrument. Ansonsten hätten sich die Manager der Musikindustrie
sicher nicht jahrelang dafür eingesetzt, dass ihre Songs im Radio und ihre
Videos im Musikfernsehen laufen. Und: Kostenlos ist nicht nur ein
Geschäftsmodell, sondern tatsächlich auch eine „Kultur”. Kultur wächst und
gedeiht durch (Mit-)teilen, Weitergeben, Empfehlen und dadurch, dass sie
allen gleichermaßen zur Verfügung steht. Erst durch Mund-zu-Mund-
Propaganda entsteht Popularität, die sich dann wiederum zu Geld machen
lässt. Ohne jede „Empfehlungs-Kultur” ließen sich Musik, Filme oder Serien
auf Dauer schwer verkaufen.
These 1: Durch das Internet verschärft sich die Abhängigkeit des Marketings
von der Empfehlungs-Kultur, da sich Menschen effektiver und vernetzter als
je zuvor relevante Inhalte teilen können. Sie sind das Schmieröl in der
Aufmerksamkeitsökonomie, der Zugang zum Massenmarkt.
Wenn aber die Symbiose von Kostenlos- und Bezahl-Kultur seit Jahrzehnten
so wunderbar funktioniert, wo genau liegt dann das Problem? Und was hat das
Internet damit zu tun? ![]()
