Wurden in Vor-Internet-Zeiten nur wenige Journalisten und Prominente mit
Geschenken und Gourmet-Buffets angefixt, ist heute fast jeder ein
Multiplikator. Die jahrzehntelang praktizierte „Kostenlos-Kultur“ im
geschlossenen Kreis lässt sich im Internet nicht länger isolieren. Eine weitere
Erklärung ist, dass althergebrachte Institutionen wie Verlage, Fernsehsender
und Verleihfirmen an Bedeutung verlieren. Die Geschäftsmodelle verändern
sich in einer solchen Geschwindigkeit, dass diese Institutionen (zu Recht)
fürchten, den Anschluss zu verlieren und versuchen, sich dem Wandel
rhetorisch mit Phrasen von „Kostenlos-Kultur“ oder „kunst- und
geistfeindlicher Mentalität“ entgegen zu stemmen.
These 2: Das Internet hat keinesfalls die Bereitschaft, für Inhalte zu bezahlen,
verändert. Es hat auch keine neue Art der „Kostenlos-Kultur“ etabliert,
sondern lediglich Nachfrage und Angebot differenziert und verstärkt.
Wenn eine Fernsehserie in den USA erfolgreich startet, lässt sich der Hype
nicht mehr wie früher regional begrenzen, sondern schwappt durch
Medienberichte und das Internet fast zeitgleich in andere Teile der Welt. So
entsteht auch in Europa das Bedürfnis, dabei zu sein. Das Internet kann und
wird diese Nachfrage durch „illegale“ Tauschbörsen, Streaming- und
Downloadportale bedienen.
Tatsächlich ist eine Art Graswurzelkonkurrenz entstanden, die mehr oder
weniger selbst organisiert und unkontrollierbar fremde Inhalte extrem effektiv
und flächendeckend verbreitet. Marcel Weiss (neunetz.com) deutet dieses
Phänomen mit Bezug auf Clay Shirkys neues Buch „Cognitive Surplus“ positiv.
„Ob über Filesharing, Linksharing und/oder über Plattformen wie YouTube
und Co.: Die Trennung von Produktion und Distribution zieht sich wie ein
roter Faden durch die Digitalisierung. ![]()
